Rodentizid
From Sterwiki
Ein Rodentizid ist ein chemisches Mittel zur Bekampfung von Nagetieren. Es kommt im wesentlichen in Fresskodern und zur Begasung von Nagetiergangen zur Anwendung.
| Table of contents |
|
1 Wirkstoffe
1.1 Phosphinbildner - Phosphide 1.1.1 Als Begasungsmittel 1.2 Cumarine 1.2.1 Warnung 1.3 andere Blutgerinnungshemmer - von 1,3-Indandion abgeleitete Wirkstoffe 1.3.1 Chlorphacinon 1.4 hochgefahrliche Oldtimer |
Wirkstoffe
Phosphinbildner - Phosphide
Als Begasungsmittel
Zinkphosphid, Aluminiumphosphid und Calciumphosphid bilden mit der Feuchtigkeit der Erde Phosphorwasserstoff, der sich als Atemgift in den Gangen der Nagetiere verbreitet und diese totet. Phosphorwasserstoff ist leicht entzundlich und kann mit der Luft eine gefahrliche explosionsfahige Atmosphare bilden. Das Mittel darf nicht in der Nahe von Oberflachengewassern eingesetzt werden. Achtung: Die Durchfuhrung von Begasungen mit einigen der hier genannten Wirkstoffe ist in Deutschland erlaubnispflichtig.
Als Frassgift
Zinkphosphid wird auch als Wirkstoff in Giftweizen verwendet. Nachteil: Diese Phosphide sind auch fur den Menschen, Vogel und Wild sehr giftig und sehr umweltgefahrdend. Das Mittel darf nicht in der Nahe von Oberflachengewassern eingesetzt werden. Achtung: Die Durchfuhrung von Begasungen mit einigen der hier genannten Wirkstoffe ist in Deutschland erlaubnispflichtig.
Cumarine
Warnung
Alle Angaben in diesem Artikel uber Cumarine beziehen sich auf die gebrauchsfertigen Zubereitungen. Reine oder technische Cumarine sind sehr giftig (T+).
Allgemeines
Frasskoder, neben denen tote Ratten liegen, werden von Artgenossen in der Regel nicht mehr angenommen. Zur Verwendung als Rodentizid bieten sich Cumarine wegen ihrer in den Zubereitungen relativ niedrigen akuten Toxizitat fur Menschen an. Die gebrauchlichen Cumarine sind als Fertigkoder nur als gesundheitsschadlich (Xn) und nicht wie viele andere Rodentizide als giftig (T) oder sehr giftig (T+) eingestuft. Cumarine werden oft mit Sulfonamiden wie Sulfachinoxalin als Verstarker kombiniert, die die korpereigene Vitamin K-Synthese hemmen.
Wirkung
Sowohl bei der Anwendung als Medikament (Cumarine (Medizin)), als auch als Rodentizid wird folgende Wirkung der Cumarine ausgenutzt:
Cumarine besitzen eine Strukturahnlichkeit zu Vitamin K. Dieses wird in der Leber bei der Synthese verschiedener Gerinnungsfaktoren benotigt. Dieses sind
- Prothrombin,
- Faktor VII und
- Faktor IX.
Die Cumarine binden statt Vitamin K an das jeweilige Enzym, blockieren es und stoppen so die Bildung der betreffenden Faktoren (kompetetive Hemmung). Die Wirkung tritt daher auch erst ein, nachdem die zum Zeitpunkt der Gabe des Cumarinderivats im Blut zirkulierenden Gerinnungsfaktoren teilweise verbraucht worden sind. Dies ist erst nach ca. 6 Stunden der Fall. Das Wirkmaximum wird nach 48-36 Stunden erreicht.
Chemie
Die in der Medizin und in der Schadlingsbekampfung verwendeten Cumarine leiten sich strukturell vom in 4-Position hydroxylierten Cumarin ab. Fur ihre Entwicklung stand Dicumarol, ein Naturstoff, der bei Weidevieh in Folge der blutgerinnungshemmung zu inneren Verblutungen fuhrte, Pate.
Warfarin
Chemischer Name: 3-(α-Acetonylbenzyl)-4-hydroxycumarin
Warfarin wird mit grossem Erfolg gegen die Wanderratte (Rattus norvegicus) und die Hausmaus (Mus musculus) eingesetzt. In den spaten 70er und fruhen 80er Jahren des 20. Jahrhunderts entwickelten Nager eine gewisse Resistenz gegenuber Warfarin. Inzwischen ist der Wirkstoff wieder einsetzbar.
Sicherheit, Gesundheits- und Umweltschutz (SGU): Warfarin wird als fruchtschadigend (teratogen) eingestuft. Hierfur ist allerdings eine regelmassige Einnahme erforderlich. Der einmalige auch orale Kontakt mit einem Frasskoder fuhrt zu zu keiner Fruchtschadigung.
Warfarin ist wasserunloslich. Warfarin ist fur Fische leicht giftig (Regenbogenforelle) bis giftig (Wels), fur Zooplankton leicht giftig. Vorschriftsgemass ausgebrachte Frasskoder gefahrden andere Tiere kaum. Allerdings konnen bei Raubtieren Sekundarvergiftungen vorkommen, wenn sie uber eine bestimmte Zeit durch Warfarin getotete Tiere fressen. Dies sollte beachtet werden, wenn Warfarin im Bereich gefahrdeter Raubtiere oder Allesfresser eingesetzt wird.
Ein Gegenmittel ist Vitamin K1
Bromadiolon
Chemischer Name: 3-[3-(4′-bromobiphenyl-4-yl)-3-hydroxy-1-phenylpropyl]-4-hydroxycumarin
Bromadiolon ist ein Antikoagulationsmittel der zweiten Generation und wird vor allem in der kommunalen und landwirtschaftlichen Rattenbekampfung als Frasskoder eingesetzt. Es ist auch gegen Warfarinresistente Tiere wirksam.
Sicherheit, Gesundheits- und Umweltschutz (SGU): Die Aufnahme erfolgt oral, uber die Haut oder uber die Atmung. Analog zu Warfarin ist eine teratogene Wirkung bei langerer Aufnahme durch schwangere Frauen anzunehmen. Hierbei ist auch der Aufnahmeweg 'Haut' zu beachten. Langzeituntersuchungen liegen nicht vor.
Bromadiolon ist als reiner oder technischer Stoff giftig fur Wasserorganismen. Raubtiere sind durch Sekundarvergiftungen gefahrdet, wenn sie uberwiegend vergiftete Tiere konsumieren.
Difenacoum
Chemischer Name: 3-(3-biphenyl-4-yl-1,2,3,4-tetrahydro-1-naphthyl)-4-hydroxycumarin
Difenacoum ist ein Antikoagulationsmittel der zweiten Generation. Es wird gegen Mause und Ratten eingesetzt.
Sicherheit, Gesundheits- und Umweltschutz (SGU): Die Aufnahme erfolgt oral, uber die Haut oder uber die Atmung. Analog zu Warfarin ist eine teratogene Wirkung bei langerer Aufnahme durch schwangere Frauen anzunehmen. Hierbei ist auch der Aufnahmeweg 'Haut' zu beachten. Langzeituntersuchungen liegen nicht vor.
Difenacoum ist praktisch wasserunloslich. Wirkungen auf Wasserorganismen wurden noch nicht veroffentlicht. Raubtiere sind durch Sekundarvergiftungen gefahrdet, wenn sie uberwiegend vergiftete Tiere konsumieren.
Brodifacoum
Chemischer Name: 3-[3-(4′-bromobiphenyl-4-yl)-1,2,3,4-tetrahydro-1-naphthyl]-4-hydroxycumarin
Brodifacoum ist ein Antikoagulationsmittel der zweiten Generation. Dieses Rodentizid ist nur fur die Anwendung in Innenraumen geeignet. Vergiftete Tiere durfen nicht ins Freie gelangen (Grunde: siehe SGU).
Sicherheit, Gesundheits- und Umweltschutz (SGU): Die Aufnahme erfolgt vor allem oral oder uber die Haut. Eine teratogene Wirkung ist anzunehmen. Hierbei ist auch der Aufnahmeweg 'Haut' zu beachten. Langzeituntersuchungen liegen nicht vor.
Brodifakoum ist praktisch wasserunloslich. Der Stoff selbst ist hochgiftig fur Wasserorganismen. Raubtiere (Vogel und Saugetiere) sind durch Sekundarvergiftungen stark gefahrdet. Sie konnen bereits durch den Konsum eines vergifteten Nagetieres verenden. Der Wirkstoff soll deshalb nur in geschlossenen Raumen und auch da nur in den Fallen verwendet werden, wo eine Resistenz gegen alle anderen Wirkstoffe der Cumarinderivatgruppe nachgewiesen ist. Der Wirkstoff ist nur als letztes Mittel einzusetzen.
Antidot
Bei Vergiftungen mit Cumarinen muss unverzuglich Vitamin K als Antidot gegeben werden. Seine Wirkung beruht auf der Verdrangung der Cumarine von den Gerinnunsfaktoren bildenden Enzymen. Auch hier besteht eine Verzogerung in der Wirkung, da die fehlenden Gerinnungsfaktoren erst nach und nach durch die Leber ersetzt werden konnen. Insbesondere bei einer Vergiftung durch Brodifacoum ist eine Langzeittherapie mit Vitamin K erforderlich. Im Notfall konnen die fehlenden Gerinnungsfaktoren direkt ersetzt werden.
andere Blutgerinnungshemmer - von 1,3-Indandion abgeleitete Wirkstoffe
Chlorphacinon
Chemischer Name: 2-[2-(4-chlorphenyl)-2-phenylacetyl]indan-1,3-dion
Chlorphacinon ist ebenfalls ein Wirkstoff, der die Blutgerinnung verhindert. Er wirkt auch gegen Nagetiere, die gegen Warfarin resistent geworden sind. Der einmalige Frass am Koder reicht fur die Totung des Tieres in der Regel aus.
Sicherheit, Gesundheits- und Umweltschutz (SGU): Der reine oder technisch reine Wirkstoff ist hochgiftig (T+). Eine teratogene Wirkung ist noch nicht untersucht worden, aber anzunehmen. Hierbei ist auch der Aufnahmeweg 'Haut' zu beachten. Der Stoff selbst ist hochgiftig fur Wildtiere und Wasserorganismen.
Antidot
Bei Vergiftungen mit 1,3-Indandionen muss unverzuglich Vitamin K1 als Antidot gegeben werden. Im Notfall mussen die fehlenden Gerinnungsfaktoren direkt ersetzt werden. Nach mehreren Quellen ist weder Vitamin K3 noch K4 als Antidot fur diesen Stoff geeignet.
hochgefahrliche Oldtimer
Arsenverbindungen, Thalliumsulfat, Strychnin und Weisser Phosphor hatten fruher eine gewisse Bedeutung als Rodentizide, sind aber so gefahrlich in der Anwendung, dass sie fur die Anwendung nicht mehr zugelassen sind oder ihre Anwendung stark eingeschrankt ist.
Bitte verwenden Sie auch keine noch vorhandenen Reste dieser Gifte, sondern entsorgen Sie sie nach den ortlichen Vorschriften (Sondermull).
Hausmittel
Rodentizider Teig aus 1 Teil Zucker, 2 Teilen Kalk und 3 Teilen Mehl ist ein Hausmittel und soll bei Ratten nach 2 Tagen zu einem todlichen Darmverschluss fuhren und ungefahrlich fur Raubtiere wie Eulen sein.
Mauki und Co. - Motorabgase
Ein anderes etwas exotisches Rodentizid sind Auspuffabgase von Verbrennungsmotoren, die mit Benzindampfen gemischt und mit Lanzen in die Gange der Nager eingeleitet werden.
Repellentien
Calciumcarbid ist kein Rodentizid im eigentlichen Sinn sondern ein Repellent gegen Nagetiere. Es entwickelt mit der Erdfeuchte stinkendes technisches Ethin, das in Spuren Phosphorwasserstoff, Ammoniak und Schwefelwasserstoff enthalt und das die Nager vorubergehend vertreibt. Ethin ist ein leicht entzundliches Gas, das mit der Luft eine gefahrliche explosionsfahige Atmosphare bilden kann. Calciumkarbid darf nicht in Gewasser gelangen, da das bei der Reaktion entstehende Calciumhydroxid einen recht hohen pH-Wert hat und fur Fischnahrtiere gefahrlich ist.
Siehe auch: Landwirtschaft, Cumarine (Medizin)
Akarizid | Algizid | Bakterizid | Fungizid | Herbizid | Insektizid | Molluskizid | Nematizid | Pestizid | Rodentizid | Viruzid | Wuchsstoff
Kategorie:Feldwirtschaft Kategorie:Gartenbau Kategorie:Umwelt- und Naturschutz
fr:Rodenticide
Template:Gesundheitshinweis SGU: Bitte beachten Sie vor Verwendung der einzelnen Mittel das Sicherheitsdatenblatt und die Verwendungshinweise des Herstellers.
Für mehr information über Haus: Die beste Seite ueber Musikinstrumenteversicherung
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Zurück zu Netcolony Versicherungen