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Cafe

From Sterwiki

Das Cafe (franzosisch Kaffee) ist ursprunglich eine Gaststatte, in der Kaffee angeboten wird (deutsch auch Kaffeehaus). Die Kaffeehaustradition hat sich vor allem in Wien als Wiener Kaffeehaus erhalten.

Table of contents
1 Geschichte
2 Kaffeehauser heute
3 Siehe auch:
4 Literatur

Geschichte

Das erste europaische Kaffeehaus wurde 1554 in Istanbul (damals Konstantinopel) gegrundet. Im westlichen Europa wurde das erste Cafe 1652 unter dem Namen 'Virginia Coffee-House' in London gegrundet. In den folgenden Jahren verbreiteten sie sich besonders um die Borse, die London Stock Exchange, herum und dienten Spekulanten und Geschaftsmannern als Treffpunkt. 1697 eroffnete in Bremen das Bremer Kaffeehaus im Haus Schutting am Marktplatz. Habermas betont in seinem Werk Strukturwandel der Offentlichkeit die Funktion der Kaffehauser als wichtigen Bereich der offentlichen Sphare, durch die sich eine burgerliche Offentlichkeit etablieren konnte. Aber nicht nur die Geschaftsleute hatten ihre Kaffeehauser, es gab ebenso Stammcafes fur Literaten (etwa das beruhmte 'Will's', in dem John Dryden Hof hielt, auch Alexander Pope verkehrte hier, oder das 'Smyrna', das Jonathan Swift und Daniel Defoe zu seinen Gasten zahlte), fur Gelehrte ('The Grecian'), Juristen und Spieler. Kennzeichnend fur Kaffeehausgesellschaften war die Uberwindung von Standesdunkel - hier sassen einfache Leute und Adlige am selben Tisch zusammen und redeten uber die Weltlage im Allgemeinen und ihre Geschafte im Besonderen.

Bald erreichten die Kaffeehauser auch andere wichtige Stadte wie Paris und Wien. In Wien wurde das erste Wiener Kaffeehaus angeblich mit den Bestanden gegrundet, die die Turken bei ihrer zweiten Belagerung ubrigliessen - eine schone Geschichte, die kaum der Wahrheit entsprechen durfte, jedoch in einschlagigen Werken immer wieder kolportiert wird.

Das Kaffeehaus ist auch der Ursprung des Postwesens ('Penny Post'), die ersten Postfacher richtete man sich in seinem Stammcafe ein. Die erste Versicherung ging auf eine Geschaftsidee des Londoner Kaffeehauses Lloyds zuruck, in dem sich Kaufleute trafen und ihre Risiken zu minimieren suchten, indem sie ihre Schiffsladungen aus den Kolonien gegen Havarie versicherten. Ebenso bedeutend sind die Cafes hinsichtlich der Entwicklung der Zeitung. Der Tatler (von Daniel Reed bis 1711 hrausgegeben), der Spectator (Joseph Addison und Reed, die Redaktion sass im 'Button's Coffee House'), spater weitere Gazetten erschienen taglich und vereinten Berichte uber Politik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft ganz ahnlich, wie es heute noch der Fall ist.

Allmahlich ersetzte der Kaffee die bis dahin ublichen alkoholischen Getranke, doch noch bis ins 18. Jahrhundert hinein hielt sich die Biersuppe als ubliche Fruhstucksnahrung und das Bier als Getrank, das man den ganzen Tag uber zu sich nahm. Die Ablosung durch den Kaffee bedeutete auch, dass der standige leichte Rausch, an den man sich seit Jahrhunderten gewohnt hatte, durch ein Gefuhl der wachen, konzentrierten Nuchternheit abgelost wurde (der 'nuchterne Rausch', wie Voltaire ihn nannte, der selbst ein bekennender Kaffeevieltrinker war). Doch der Kaffee traf nicht nur auf Gegenliebe: Anrainer beschwerten sich uber den 'Gestank' des gerosteten Kaffees, und eine Gruppe Londoner Frauen schrieb ein wutendes Pamphlet gegen den Kaffeekonsum - offenbar v.a. der Tatsache geschuldet, dass ihre Manner den grossten Teil des Tages im Coffee house verbrachten, wahrend ihnen selbst der Eintritt wenn nicht verwehrt war, so doch zumindest als Rufschadigung angesehen wurde.

Den Kaffeehausern ist als besonderer Verdienst anzurechnen, dass sie das Wissen popularisierten und Gastlichkeit mit aufklarerischem Nutzen verbanden. Durch die Erfindung der Zeitung sowie die Etablierung der Post sind sie die Wiege der heutigen Printmedien. Die Moglichkeit des offentlichen, mehr oder weniger gelehrten Diskurses trat aus den hofischen Zirkeln heraus, die ihn bis dahin ausschliesslich kultiviert hatten und wurde auch fur Burger moglich. Dazu gehort auch die Entstehung eines neutralen offentlichen Ortes, der als Treffpunkt fungieren konnte. Ohne diese Voraussetzungen sind wohl weder die Lesemanie des Biedermeier, noch die neu aufkommende Briefkultur denkbar. Auch bildeten die Coffee houses den Anstoss fur die Lesegesellschaften des 18. und 19. Jahrhunderts, die sich der Forderung von Tugend und Geschmack verschrieben wie etwa die „Gesellschaft der Mahlern“ von Johann Jakob Bodmer in Zurich, der auch, von Spectator und Tatler beeinflusst, regelmassig die „Discourse der Mahlern“ publizierte. Diese Lesegesellschaften ersetzten in Deutschland die englischen Clubs, ebenso wie diese mit festem Besucherkreis, jedoch ausschliesslich auf seriose Diskussion ausgerichtet. In Osterreich wiederum entstanden Lesekabinette, die meist von Buchhandlern getragen waren und aus den Buchkabinetten innerhalb der Kaffeehauser hervorgingen.

Die Kaffeehauser waren auch ein Ort, an dem Spiele praktiziert wurden, insbesondere Schach. Es gab sogar fest angestellte Profis, die gegen die Besucher um einen Einsatz spielten. Der Begriff Kaffeehausspieler wird auch heute noch fur Schachspieler verwendet, die einen riskanten Stil pflegen.

Kaffeehauser heute

Die o.g. Bedeutungen haben Kaffeehauser heute nicht mehr; sie dienen nur noch als reiner Gastonomiebetrieb. Kaffeehauser werden - ausser in Osterreich - Cafe genannt. Gespielt, gelesen, debattiert oder o.a. wird heute nur noch ausserst selten.

Typisch fur heutige Cafes sind kleine Tische mit Spitzendecken, zierliche Stuhle, Zeitungslekture, Getrankeangebot (heute viel mehr als nur Kaffee), jedenfalls Kuchen und Torten und z.T. einfachen Mahlzeiten. Der Grund fur einen Besuch ist das Verbringen der Freizeit in einer angenehmen Atmosphare allein oder in Gesellschaft. Die Grenze zur Kneipe, zum Bistro oder zum Restaurant ist fliessend. Fast uberall steht eine Espressomaschine.

Moderne Cafes in Grossstadten sind als Lounge konzipiert, zumeist betrieben von Ketten wie der San Francisco Coffee Company. Zielgruppe sind junge Kunden. Typische fur solche Cafes sind die lockere Atmosphare (z.B. dezente Hintergrundmusik, Wohnzimmerumgebung und dedimmtes Licht), Offnungszeiten bis spat Abends, oft Internetzugang und das weltweit fast einheitliche Angebot. Nicht selten ist auch die Bezeichnung Cafe Bar - eine Kombination aus beidem.

Stehcafes sind meistens an Backereiverkaufsstellen angegliedert. Hier wird Kaffee an Laufkundschaft ausgeschenkt (Selbstbedienung), um diesen v.a. an den bereitgestellten hohen Tischen im Stehen zu trinken.

Siehe auch:

Bar, Restaurant, Gaststatte, Gastronomie

Literatur

  • The Character of a Coffee-House (1673) und Coffee-Houses Vindicated (1675) from: Charles W. Colby, ed., Selections from the Sources of English History, B.C. 55 - A.D. 1832 (London: Longmans, Green, 1920), pp. 208-212. (im Internet abzurufen unter [1] (http://www.fordham.edu/halsall/mod/1670coffee.html))
  • Im Hof, Ulrich: Das gesellige Jahrhundert - Gesellschaft und Gesellschaften im Zeitalter der Aufklarung, Munchen 1982
  • Thiele-Dormann, Klaus: Europaische Kaffeehauskultur. Serie Piper, Munchen/Zurich 1999. ISBN 3-492-22582-9
  • Lilywhite, B.: London Coffee-Houses
  • Macaulay, Thomas Babington: The History of England, 1. Bd., Ch.3, p.363, London 1849

Kategorie:Gastronomiebetrieb

en:Coffeehouse


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